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Persönliche Haftung vermeiden

Risikomanagement in der Corona-Krise

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Wohl niemand hätte sich je so eine Krise vorstellen können, wie wir seit über einem Jahr erleben. Es ist ein Jahrhundertereignis, das aber die Bedeutung von professionellem Risikomanagement wieder in das Bewusstsein gebracht hat. Das ist gut so, zumal neue Risiken in nächster Zeit verstärkt auf die Unternehmen zukommen, wie z. B. Forderungsausfälle, Strafrechtsrisiken wie Subventionsbetrug und Insolvenzverschleppung, aber auch Haftungsrisiken.

Forderungsausfälle

Das Zahlungsbarometer des Kreditversicherers Atradius zeigt, dass in der Corona-Krise die Zahl der offenen Rechnungen im Mittelstand steigt. Mehr als die Hälfte der 4.000 befragten Unternehmen berichten von Zahlungsverzügen. Die durchschnittlichen Zahlungsziele liegen inzwischen bei 92 Tagen. Vor der Pandemie waren es dagegen lediglich 22 Tage. Dieser Anstieg zeigt das großzügige Entgegenkommen vieler Lieferanten, aber auch die sinkende Bonität vieler Unternehmen. Mit jedem Tag Verzug steigt die Gefahr eines Forderungsausfalls, der sich auf die gesamte Lieferkette auswirken kann.  

Daher ist ein effizientes Forderungsmanagement jetzt besonders wichtig. Dazu gehören aktuelle Bonitätsinformationen über Kunden und Lieferanten sowie ein aussagekräftiges Berichtswesen, das alle Forderungsbestände dokumentiert. Um das Risiko von Zahlungsausfällen zu minimieren, kann bei wackeligen Geschäftspartnern Vorkasse eine probate Zahlungsmethode sein. Beim Inkasso offener Forderungen ist Fingerspitzengefühl angesagt. Wenn es Ihre Liquiditätslage erlaubt, können Sie gegenüber Ihren Kunden großzügig sein. Das könnte sich später auszahlen. Wenn Sie jeden Euro selbst benötigen, sollten Sie auch in der Krise hart bleiben. Mit einer Warenkreditversicherung schützen sich sich vor Zahlungsausfällen.

Subventionsbetrug

Bund und Länder haben Milliarden-Förderprogramme für den Mittelstand aufgelegt, um die finanziellen Folgen der Corona-Krise abzumildern. Doch die bereitgestellten Zuschüsse (Geschenke) oder KfW-Kredite sind an harte Auflagen und Bedingungen geknüpft. Wer bei der Beantragung dazu falsche Angaben gemacht hat, dem drohen im Nachhinein nicht nur die Rückzahlung der Gelder, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen. Viele Unternehmen haben bereits leidvolle Erfahrungen gemacht und mussten Zuschüsse zurückzahlen. Zur Vermeidung von Fehlern können die Hilfen nur noch über einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer beantragt werden. Da im Nachhinein die Behörden genau prüfen werden, sollten Unternehmen für alles Nachweise hinterlegen.

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Insolvenzverschleppung

Die Uhr tickt. Bis zum 30.04.2021 gilt die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, die einen Anspruch auf Gewährung finanzieller Leistungen aus dem Covid-19-Programm (sog. November- und Dezemberhilfen) haben und diese bis zum 28.02.2021 beantragt haben. Für alle anderen Unternehmen, die keine Aussicht auf Erlangung der Mittel haben oder bei denen die Mittel zur Beseitigung der Insolvenzreife nicht ausreichen, gelten die regulären Insolvenzantragspflichten. Wer sich nicht daran hält, dem drohen strafrechtliche Konsequenzen wegen Insolvenzverschleppung. Vermeiden Sie also jeden Anschein vorsätzlicher Pflichtverletzung gegenüber Gesellschaftern, Gläubigern und Schuldnern. Sorgen Sie für ein aussagefähiges Controllingsystem in Ihrem Unternehmen, damit Sie jederzeit die finanzielle Situation in Ihrem Unternehmen im Blick haben und bei Liquiditätsengpässen rechtzeitig gegensteuern können.  

Geschäftsführerhaftung

Die Risiken der Geschäftsführung, gegen Gesetze und Verordnungen zu verstoßen und in Regress genommen zu werden, steigen in der Corona-Krise. Compliance wird daher auch für kleine und mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Betriebswirtschaftlich versteht man darunter die Regeltreue, also das Einhalten von Gesetzen und internen Richtlinien, im Unternehmen. Es ist zu beobachten, dass der Gesetzgeber Aufsichtsräte, Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen bei Regelverletzungen immer stärker in die Pflicht nimmt. Entscheider sollten alle Risiken kennen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen in Form von Compliance Management Systemen (CMS) etablieren. Beim Aufbau und der Professionalisierung eines Risikomanagementsystems bieten erfahrene Wirtschaftsprüfer gute Unterstützung.

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